Die Leiter des Erzählers

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Werkzeug aus dem journalistischen Storytelling: Die Vermittlung von abstrakten Themen mit bildhaften Wörtern

Wie können wir abstrakte Themen mit bildhaften Wörtern vermitteln? Diese Leitfrage liegt der Leiter des Erzählers/der Erzählerin zugrunde. Der dahinterstehende Gedanke ist folgender: Die Neurowissenschaft hat mittlerweile belegt, dass wir Menschen uns Wörter, mit denen wir ein konkretes Bild verbinden, sehr viel besser merken können.

Die Leiter dient dazu, die Begriffe zu ordnen: Die oberste Sprosse stellt die höchste Abstraktionsebene dar. Je weiter wir nach unten steigen, desto konkreter werden die Worte oder Themen.

Als Erzähler/in nutzen wir die Leiter, um den/die Leser/in oder auch den/die Zuhörer/in von der Stufe der konkreten Bilder und Wörter über die mittlere Stufe hin zu den abstrakten Problemen zu führen. Zur besseren Leserführung kann die Leiter immer wieder auf- und ab-„bespielt“ werden. Mit der Frage „Was bedeutet das?“ steigen wir nach oben, mit der Frage „Welches Beispiel gibt es?“ klettern wir herab.

Marie Lampert und Rolf Wespe beschreiben diese Leiter des Erzählers in ihrem Buch „Storytelling für Journalisten“ ausführlich und geben ein Beispiel anhand der „Landwirtschaftspolitik“. Sie steigen ein mit konkreten und leicht verständlichen Begriffen wie Bäuerin, Misthaufen, Kuh und Milch. Auf der Mittelsprosse sprechen sie über Fruchtflächen und Subventionen, bevor sie dann auf die höchste Ebene klettern und sich den abstrakten Problemen der Landwirtschaft widmen.

In der internen Kommunikation ist der Einsatz beispielsweise in der Strategievermittlung so denkbar:

Die Strategie mit den wichtigsten Zielen, Hebeln und Botschaften steht ganz oben auf der Leiter. Konkrete Beispiele, wie diese Strategie im Alltag gelebt wird oder welche konkreten Auswirkungen sie auf die Kunden hat, stehen am unteren Ende der Leiter. Mit der Frage „Was heißt die Strategie nun ganz konkret für das Team X oder für die Mitarbeitenden Y und Z?“ steigen Sie herab, mit den Fragen „Was bedeutet sie für das ‚Big Picture‘?, „Welchen Sinn macht sie?“ klettern Sie nach oben.

Quelle: Marie Lampert und Rolf Wespe: „Storytelling für Journalisten“, UVK 2013

 

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