Wie funktioniert Reflexion?

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„Das sollten wir reflektieren!“ Hören Sie diese Aufforderung auch öfter? Und Sie wissen nicht genau, wie Sie strukturiert vorgehen können? In diesem Fall könnte mein Artikel für Sie hilfreich sein. Ich stelle Ihnen das Reflexionsmodell von Rainer Schwing vor, das mir gute Dienste leistet. Es gehört zu meiner Basisausstattung in meiner Toolbox. Wer bereits systemisch arbeitet, kennt Rainer Schwing als systemischen Berater und Buchautor.

Die Fähigkeit zur Reflexion – egal bei allein oder im Team – sollte eine Selbstverständlichkeit in unserem Arbeitsalltag sein. Dadurch lassen sich Denkmuster und Verhalten hinterfragen und, sofern sie nicht mehr als nützlich erachtet werden, ändern.

Reflexion in vier Prozessen

Schwing unterscheidet in seinem Modell vier Prozesse der Reflexion:

  • Beobachten: Was beobachte ich an meinem Verhalten?
  • Erklären: Wie erkläre ich mir dieses Verhalten?
  • Bewerten: Welche Schlüsse ziehe ich aus meiner Erklärung?
  • Handeln: Wie nutze ich diese Schlüsse und wie setze ich diese neuen Impulse in meinem Alltag um?Wie funktioniert Reflexion?

Diese Prozesse laufen nicht im luftleeren Raum ab: Sie sind geprägt von unseren bisherigen Einstellungen und Überzeugungen. Die Reflexionsschritte wiederum prägten unsere Einstellungen und Überzeugungen.

Im Alltag durchlaufen wir diese Prozesse oft unbewusst oder vermischen sie. In der Reflexion trennen wir die vier Prozessschritte und machen sie uns bewusst. Das braucht zugegebener Maßen etwas Übung, Zeit und vor allem Distanz zu Ihrem Alltagsgeschehen. Vereinbaren Sie eine Teambesprechung zur Reflexion. Sollten Sie alleine reflektieren: Suchen Sie sich einen Ort zum Nachdenken, oder unternehmen Sie einen Spaziergang. Auch brauchen Sie, bevor Sie die vier Prozesse durchlaufen, einen Fokus.

Wählen Sie ein Thema oder ein Problem, über das Sie nachdenken wollen. Das könnte zum Beispiel sein:

  • Obwohl wir ein Konzept haben, lassen wir uns zu sehr vom operativen Geschäft überrennen. Was können wir besser machen?
  • Es scheint, als ob wir zu viel Zeit in Abstimmungsprozessen verlieren. Was können wir tun?
  • In Gesprächen mit meinen Mitarbeitenden fühle ich mich oft ungeduldig. Was kann ich machen, um besser auf sie einzugehen?

Beobachten und Blick schärfen

Beobachten und beschreiben Sie zunächst Ihr Verhalten zum ausgewählten Fokusthema. Was sehen Sie? Was fällt Ihnen auf? Nach welchen Kriterien beobachten Sie? In diesem ersten Prozessschritt sollten Sie noch nicht versuchen zu werten. Beschränken Sie sich darauf, „nur“ zu beobachten und zu beschreiben.

Erklärungen und Interpretationen liefern

Erklären Sie im nächsten Schritt Ihre Beobachtungen. Welche Bedeutung geben Sie der Beobachtung? Suchen Sie am besten mehrere Interpretationsmöglichkeiten, da es nicht nur die eine „Wahrheit“ gibt. Öffnen Sie den Bedeutungsrahmen: Was würden z. B. Mitarbeitende, Kunden oder andere Bezugsgruppen dazu sagen? Oft ist hier schon zu erkennen, in welche Richtung das eigene Verhalten geändert werden sollte.

Bewertungen vornehmen

Bewerten Sie nun Ihr bisheriges Verhalten. Überlegen Sie sich dazu Bewertungskriterien: Ist das Verhalten nützlich, sinnvoll oder erstrebenswert? Sie können dabei auch auf eine Metaposition wechseln und überlegen, woher die eigenen Bewertungen stammen. Sind sie noch aktuell oder zu „Bewertungsroutinen“ erstarrt?

Neues Verhalten mit konkreten Handlungen festigen

Nach diesen drei Prozessen (beobachten, erklären, bewerten) sollten Sie klarer sehen und Ideen für Verhaltensänderungen ableiten können. Erproben Sie diese Ideen in nächster Zeit schrittweise im Alltag. Nehmen Sie sich dabei kleine Veränderungsschritte vor. Und überprüfen Sie nach einiger Zeit Ihre Fortschritte, indem Sie den Reflexionsprozess erneut durchlaufen.

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