Systemische Fragen für die interne Kommunikation nutzen

Beitrag teilen:

„Der, die, das! Wer, wie, was? Wieso, weshalb, warum? Wer nicht fragt, bleibt dumm!“ Erkennen Sie diese Liedzeile? Ernie und Bert aus der Sesamstraße plädieren seit fast 50 Jahren dafür, kluge Fragen zu stellen. Und egal, ob wir als IK-Managerin, als Führungskraft oder als interner Berater unterwegs sind: Auch wir sollten wirksame Fragen stellen.

Haben Sie Lust, Fragetechniken bewusster und öfter einzusetzen? Falls ja, können Ihnen meine Empfehlungen aus der systemischen Beratung helfen.

Was sollen Fragen bezwecken?

Bevor ich Fragen stelle, überlege ich, was ich damit erreichen will:

Brauche ich Antworten, um neue Informationen und Erkenntnisse zu gewinnen, (Kultur-)Muster zu erkennen oder Kommunikationsstrukturen zu erfassen? Dann dienen die Fragen als Analyse-und Diagnoseinstrument.

Oder stelle ich Fragen, um neue Sichtweisen auf Probleme und auf Lösungsmöglichkeiten zu schaffen oder um einfach zu irritieren? Dann dienen die Fragen als Interventions- und Reflexionsinstrument.

In der systemischen Beratung gibt es viele verschiedene Fragearten. Diese nutze ich am häufigsten:

Informationsfragen

Diese Fragen zielen auf Fakten ab, um sich einen ersten Überblick zu verschaffen. Sie vor allem als Analyse. Sie können sie auch als Einstieg nutzen, um sich „warm zu fragen“.

Beispielfragen:

  • Wer, wo, seit wann, wie oft, wie viele, in welchem Umfeld …?
  • Wie viele Mitarbeitende hat die betreffende Abteilung?
  • Was haben Sie schon versucht?
  • Welche Instrumente setzen Sie ein?

Definitionsfragen

Eine Grundannahme, die hinter systemischen Fragen steht: Jede Person konstruiert sich ihre Wirklichkeit. In sozialen Systemen, also auch in Unternehmen, gibt es unterschiedliche Wirklichkeitskonstruktionen und somit unterschiedliche Definitionen. Systemische Fragen machen diese Konstruktionen sichtbar, um sie dann zu verändern („dekonstruieren“).

Beispielfragen:

  • Welche Bestandteile gehören für Sie zur Geschäftsstrategie? Können Sie Beispiele nennen?
  • Wenn Sie von digitaler Kommunikation sprechen: Was gehört dazu und was nicht?
  • Worin zeigt sich, dass Sie die Mitarbeitenden in der Veränderung „mitnehmen“?

Fragen nach der inneren Landkarte

Die „Schwester“ der Definitionsfragen sind die Fragen der inneren Landkarte. Hier geht es um Konstruktionen von Denkmustern und Einstellungen. Diese wurden geprägt durch unser soziales Umfeld, durch Erfahrung, aber auch durch die Art, wie wir Informationen aufnehmen und verarbeiten. Mit Fragen nach der inneren Landkarte versuchen wir, die Motive unserer Gesprächspartner besser zu kennen und zu verstehen, wieso er etwas sagt oder tut.

Beispielfragen:

  • Was fühlen/denken Sie bei …?
  • Was beschäftigt Sie gerade …?
  • Welcher Aspekt ist Ihnen dabei besonders wichtig?
  • Welche Bedeutung hat es für Sie, dass …?

Hypothetische Fragen

Diese Fragen laden zu Gedankenexperimenten ein, indem sich die Gesprächspartnerin eine mögliche Situation vorstellt. Neue Wege, Auswege oder andere Möglichkeiten können so – zunächst – gedanklich durchgespielt werden. Oft werden schon erste Lösungsansätze sichtbar.

Beispielfragen:

  • Angenommen, Sie würden …? Was würde besser klappen?
  • Was wäre, wenn wir eine Mitarbeiter-App einführen würden? Welche Auswirkungen hätte es auf unsere Prozesse?
  • Stellen Sie sich vor, die Kommunikation sähe so aus, wie jetzt geplant. Was genau wäre dann anders?

Rückkopplungsfragen

Diese Art der Fragen bieten sich dann an, wenn Sie überprüfen möchten, ob Sie die Aussagen Ihres Gesprächspartners verstanden haben. Ihrem Gesprächspartner ermöglichen Sie, seine Antworten richtigzustellen oder zu präzisieren. Im besten Fall fühlt er sich „gehört“ und damit verstanden.

Beispielfragen:

  • Habe ich Sie richtig verstanden, dass …?
  • Ihnen ist also besonders wichtig, dass …?
  • Können wir XYZ so festhalten, so vereinbaren?

Zirkuläre Fragen

Zirkuläre Fragen gehören zum „Urgestein“ der systemischen Fragen. Durch zirkuläre Fragen können andere Sichtweisen gewonnen werden. Sie ermöglichen einen Perspektivwechsel und laden die zu befragenden Gesprächsteilnehmer ein, durch die Brille der anderen zu blicken.

Beispielfragen:

  • Wie müssten Sie die interne Kommunikation verändern, damit Ihr Chef, Ihr Teamleiter und Sie zufrieden sind?
  • Wenn Sie die neuen Mitarbeitenden befragen würden, was würden sie zu der Kommunikation im Team sagen?
  • Wenn Sie Frau B aus der Technikabteilung befragen würden, was würde sie zu der Beziehung zwischen den Abteilungen Vertrieb und Projektmanagement sagen?

Anregungen für alle systemischen Fragen

Wirkungsvolle Fragen zu stellen, ist eine Handwerkskunst und braucht Übung. Überlegen Sie im Vorfeld, was Sie mit Ihren Fragen erreichen wollen. Stellen Sie kurze, knappe und präzise Fragen. Geben Sie Ihrer Gesprächspartnerin dann ausreichend Zeit, nachzudenken und Antworten zu formulieren. Auch wenn es unangenehm sein kann: Halten Sie die Stille aus. Fassen Sie dann zusammen, was Sie verstanden haben.

Kennen Sie jemanden, für den mein Beitrag ebenfalls von Interesse ist?
Dann teilen Sie ihn doch: